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CANNING AREAS +++ Ausstellung verschoben +++


Ausstellungseröffnung wird nach Möglichkeit nachgeholt

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Die Situation, in der wir uns befinden, ist paradox. Die „ökologische Krise“ wird breit im öffentlichen Diskurs verhandelt und die Erschütterung über das Ergebnis von 250 Jahren Kapitalismus schlägt sich vor allem in Wissenschaft, Kunst und Kultur nieder. Staat und Unternehmen befassen sich seit Jahrzehnten mit Nachhaltigkeitskonzepten, für die Wissenschaft und Technologie das Fundament bereitstellen. Und schließlich wird mit den neuen Klimabewegungen der Dringlichkeit eines Kurswechsels augenfällig Nachdruck verliehen.

Zugleich schreitet die Zerstörung des planetaren Ökosystems ungebremst voran und die krisenanfällige Weltökonomie kommt erst durch eine Pandemie für einen kurzen Moment zum Erliegen. Als Nebeneffekt einer weltweiten Rezession konnte der globale CO2-Ausstoß erstmals sichtbar reduziert werden. Zuvor wurden Wälder fortwährend gerodet, Autos im Durchschnitt immer größer und der Flugverkehr befand sich zweifelsohne auf seinem Höhepunkt. Währenddessen führt das vergebliche Warten auf einen Green New Deal unausweichlich zu der Wunschvorstellung, alternative Lebensräume zu kreieren, um der Spezies Mensch ein Überleben zu sichern. Viel Geld wird in Projekte investiert, die versuchen im Gewand der Science Fiction, das noch Bestehende zu konservieren, abzukapseln oder zu isolieren. Doch eine globale sozial-ökologische Transformation wird so allenfalls konterminiert.

Dieses Paradoxon bildet den Ausgangspunkt der künstlerischen Auseinandersetzung der drei Arbeiten von Sarah Reva Mohr, Jeronimo Voss und Frankziska Wildt in Canning Areas. Dabei werden insbesondere die Grenzen zwischen Natur und Technik, Utopie und Dystopie sowie Exklusion und Inklusion hinterfragt und neuverhandelt. Die Verbindungslinien zwischen vermeintlich Vergangenem, dem noch Bestehenden und dem, was zukünftig sein wird, bilden ein wiederkehrendes Moment in allen drei Arbeiten.

 

Sarah Reva Mohr
Shifting Grounds
Die Installation Shifting Grounds fragt in einem dystopisch-absurden Setting nach Mechanismen der Exklusivität in Zeiten der Krise und nutzt als Background-Narrativ die Besiedlung des Mars. Was bereits vor Jahrzehnten von den Raumfahrt-Institutionen verschiedener Staaten imaginiert und vorbereitet wurde, scheint nun in greifbarer Nähe für einen Neubeginn der Zivilisation — oder ist dies nur ein Vorwand für einen größer angelegten Eskapismus, bei dem noch nicht beantwortet scheint, wer überhaupt teilnehmen darf? Sarah Reva Mohr untersucht dazu die Künstlichkeit der Habitate, welche bereits in unserer Gesellschaft im Kleinen vorhanden scheinen und ein Machtgefüge im Sinne einer räumlichen Abgrenzung schaffen, zwischen Mensch und Tier, Zivilisation und Natur. Gleichzeitig symbolisieren sie den ständigen Drang zur Ordnung und vermitteln in ihrer Geschlossenheit eine melancholische Herangehensweise an die Frage, ob wir uns unter dem Deckmantel des „Artenschutzes“ nicht längst von der Natur verabschiedet haben und wir die Grenzlinien zwischen Teilhabe und Ausgrenzung nicht bloß weiter ausdehnen, statt sie aufzulösen.

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Jeronimo Voss
Climate Envelopes
Jeronimo Voss nimmt mit Climate Envelopes den aktuellen Diskurs um mögliche kapitalistische Formen nachhaltiger Klimapolitik zum Anlass für eine bautechnologische Recherche. Dabei entsteht eine Bildwelt, die reale Bauentwürfe der Gegenwart mit denen des Science Fiction und utopischer Architekturkonzeptionen verbindet. Voss’ Installation entwickelt so ein Gedankenexperiment privatwirtschaftlich organisierter Klimasicherheit als plausible Immobilieninvestition in eine lebensfeindliche Biosphäre.
Klimahüllen (engl. Climate Envelopes) bilden eine lichtdurchlässige Haut, die über Gebäude und deren Außengelände gelegt wird. Ziel dieser Bautechnologie ist die Schaffung einer eigenen Atmosphäre, um die Einflüsse der äußeren globalen Klimahülle abzuschirmen.
Voss’ Installation legt nahe, dass die Bildwelten, die das Science Fiction- Genre für andere Planeten erträumte, gegenwärtig der irdischen Zukunft näher liegen, als die Besiedlung ferner Welten.

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Franziska Wildt
Bottleneck
In ihrer künstlerischen Arbeit Bottleneck setzt Franziska Wildt zwei Fotographien zueinander in Beziehung, die während eines Artist-in-Residence Aufenthaltes in China entstanden sind: Lillies In A Vase und Items Of The Collection spielen mit dem Genre des Stilllebens, das sich in der niederländischen Malerei des 17. Jhd. parallel zum aufkommenden Kapitalismus, der damit verbundenen Kolonisierung und der Entstehung der modernen Naturwissenschaft entwickelt hat. Diese Entwicklungen werden in der Stillebenmalerei u.a. an der akribischen Detailversessenheit und der Abbildung von Luxusartikeln, die aus den Kolonien und durch den internationalen Handel in die Niederlande gelangten, deutlich. Die Stillleben des sogenannten Goldenen Zeitalters enthalten daher auch oft Darstellungen von chinesischem Porzellan im blau-weißen Stil der späten Ming-Zeit, das die aufstrebende bürgerliche Klasse in China zu dieser Zeit gezielt für den internationalen Handel produzieren ließ.
Das Genre des Stillleben macht den Widerspruch sichtbar, mit dem die Kunst im globalen Kapitalismus kämpft: Sie beruht auf dem gesellschaftlichen Reichtum, der durch die Ausbeutung von Natur und menschlicher Arbeitskraft erzeugt wird; auch dann, wenn sie dies auf die ihr eigene Weise kritisiert.

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Konzept und Kuration: Mounira Zennia

Gestaltung: Anna Sukhova Tanya Tverdokhlebova

Ausstellung und Begleitprogramm finden im Rahmen des Schwerpunktes Transform. Wege aus der Klimakrise statt.

Mit Unterstützung von Rosa Luxemburg Stiftung Hessen, Brot für die Welt, Heinrich Böll Stiftung Hessen, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und wohnen, Asta der Uni Frankfurt

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